Exit Option
Steil den Berg hinauf. Oben links. Ein lehmiger Grabhügel. Ein vertrocknetes Herz aus Rosen. Zwei Steine in Herzform. Eine Schale von M., noch eine Pflanze. Ein Holzkreuz.
Heute morgen, vor dem Unterricht, war ich am Grab einer ehemaligen Schülerin. 25 Jahre Leben waren ihr genug. Sie hat sich aus dieser Welt ausgeklinkt. Endgültig. Unwiderruflich.
Platz 1 für die ‘geilste Lache’ und Platz 1 in der Kategorie ‘Individualist/in’ in der Abi-Zeitung.
Letztes Jahr traf sich ihr Abi-Jahrgang, um das Fünfjährige zu feiern. Da gehe ich eigentlich nie hin, dieser Jahrgang war eine Ausnahme, denn es gibt in ihm eine Reihe toller Menschen. Dort habe ich sie zum letzten Mal gesehen. Erfolgreich im Studium, immer noch sie selbst, aber reifer, erwachsener, größer.
Das sind die Momente im Lehrer-Dasein, die ich ungeheuer genieße. Wenn aus kleinen Fünfern große Abiturienten und dann schließlich ‘richtige’ Erwachsene werden, die ihr Leben gestalten, die ihre Fähigkeiten und Begabungen entfalten, die ihr eigenes Ding machen, auf eigenen Füßen durch ihr Leben gehen.
Der Tod ist das absolute Gegenteil. Er zerstört alle Zukunft, alle Hoffnung, alles Leben. Der freiwillig gewählte Tod ist für mich die unerträglichste Art. Die Über-Lebenden sind jeder Handlungsmöglichkeit beraubt.
Die Vergangenheit ist ein Prolog.
Für J.


