Ich hatte vor 15 Tagen das Video vorgestellt, das Wikileaks veröffentlicht hat. US-Soldaten schießen mit 30mm-Munition aus der Maschinenkanone ihres Kampfhubschraubers auf Menschen, auch auf ein fünfjähriges Mädchen und ihren zehnjährigen Bruder.
Hier ein Foto, das die Größe der Munition verdeutlicht:
Nachdem das Video in den Medien veröffentlicht wurde, hat sich Ethan McCord, der Soldat, der den beschossenen Kindern geholfen hat, gemeldet. Wired hat ihn zur Situation damals und heute interviewt. Der Bundeskriegsverteidigungsminister würde das vermutlich auch unter ‘umgangssprachlich Krieg’ einreihen.
And where the soldier said [in the video], “Well, you shouldn’t take your kids to battle.” Well in all actuality, we brought the battle to your kids. There’s no front lines here. This is urban combat and we’re taking the war to children and women and innocents.
Das gesamte Interview findet sich hier. Wohin sollen die Gewalt und die Lügen führen? Zu Freiheit und Demokratie?
“Wohin treiben wir? Wir lenken schon lange nicht mehr, führen nicht, bestimmen nicht. Ein Lügner, wers glaubt. Schemen und Gespenster wanken um uns herum – taste sie nicht an: sie geben nach, zerfallen, sinken um. Es dämmert, und wir wissen nicht, was das ist: eine Abenddämmerung oder eine Morgendämmerung.” – Kurt Tucholsky, 11. März 1920
Natürlich nicht im juristischen Sinn, sondern irgendwie umgangssprachlich… Soll der Bundesverteidigungsminister gesagt haben. Die Toten sind dann wahrscheinlich auch nicht im juristischen Sinne tot, sondern eher umgangssprachlich.
Die Theodizee-Frage ist für viele Menschen eine der härtesten Anfragen an den Glauben. Unverschuldetes Leid scheint unerträglich.
Doch was ist mit dem verschuldeten Leid?
Waterboarding for dummies zeigt detailliert auf, was sich die CIA mit höchster Genehmigung alles an leidvollen Methoden ausgedacht hat, um die ‘Wahrheit’ aus Menschen herauszufoltern.
Entreiß mich den Feinden, mein Gott, beschütze mich vor meinen Gegnern! Entreiß mich denen, die Unrecht tun, rette mich vor den Mördern! Sieh her: Sie lauern mir auf, Mächtige stellen mir nach.
Zahlen können wir uns schwer vorstellen, besonders, wenn es sich um große Zahlen handelt. Die Weltgesundheitsorganisation hat die World Health Statistics 2009 ins Netz gestellt. Ein Zahlenfriedhof? Nein. Die Friedhöfe befinden sich an anderen Orten. Dort liegen die Kinder und Erwachsenen, die an Masern, Durchfall oder Malaria verstorben sind, weil sie niemand behandelt hat.
Save the Children versucht, diese anonyme Masse von Schicksalen vorstellbarer zu machen: “I was PHILIP”
Das ist nicht der Titel eines neuen Sakro-Thrillers. Bei YouTube gibt es einen interessanten Film, der den Song “We didn’t start the fire‘ mit den passenden Bildern unterlegt; Personen, Gegenstände etc.
Dabei kommt auch Papst Paul VI. vor. Auf dem Bild zu sehen ist allerdings Johannes Paul II. (man kann ja nicht jeden kennen). Ansonsten ist so etwas aber eine sehr gute Zusammenfassung von mehreren Jahrzehnten Zeitgeschichte.
Wozu könnte man das im Religionsunterricht einsetzen? In der Oberstufe als Einstiegsimpuls zur Anthropologie (Gewaltbereitschaft des Menschen, Kriege) oder im Bereich Wissen und Glauben (technisch-wissenschaftliche Entwicklungen – Menschen, die aus religiöser Überzeugung handeln).
Vielleicht sogar zur Einheit Kirche, wenn es um die Notwendigkeit des Aggiornamento geht. Wir (alten) Lehrer können leichter den Ablauf der Zeitgeschichte rekonstruieren, unsere Schüler sind mittendrin und erleben auch größere gesellschaftliche Veränderungen selten bewusst mit.
Im passenden Artikel der Wikipedia sind die erwähnten Personen und Ereignisse auch aufgeführt (zur persönlichen Vertiefung).
PS: Ab wann ist man alt? “Hmm, so ab dreißig vielleicht…” – sagen meine Schüler.
One of our doctors is treating a 5-year-old-boy.
Militia have just raped his two sisters.
Then clubbed his parents to death.
We can’t operate without your help. mfs.org.uk
Als Lehrer erleidet man die Konsequenzen so mancher Bildungsreform am eigenen Leib. Oder noch schlimmer: Ich sehe, was den Kindern zugemutet wird, weil sich manche Politikerinnen (die weibliche Form ist hier bewusst verwendet und soll nicht alle Politikerinnen diskriminieren, sondern auf eine der Verantwortlichen hinweisen) nicht rechtzeitig klar gemacht hatten, was für Auswirkungen ihre bildungspolitischen Aktionen haben könnten.
Volker Pispers stellt in seinem kabarettistischen Programm sehr interessante und praxisnahe Ideen vor. Lachen konnte ich nur ab und zu, denn seine Forderungen würden wirklich Bildungspolitik bedeuten.
Neben Anglistik und Pädagogik hat Volker Pispers übrigens auch katholische Theologie studiert.
Im Rahmen der Oberstufeneinheit ‘Soziale Gerechtigkeit’ geht es auch um die globalen Zusammenhänge, die es erschweren, gerechtere Verhältnisse auf dieser Welt zu schaffen.
Komplexe Sachverhalte einfach, verständlich und dann auch noch unterhaltsam darzustellen, ist nicht einfach. Hans Rosling ist Professor für Internationale Gesundheit am schwedischen Karolinska Institut. In einer faszinierenden Präsentation bei TED stellt er Zusammenhänge zwischen Einkommen, Kinderzahl und Lebenserwartung vor. Ich habe noch keine bessere und interessantere Präsentation statistischer Daten gesehen. Misstraurisch? Schauen Sie selbst:
TED-Präsentation von Hans Rosling
Die Präsentation ist in Englisch, das dürfte aber von Oberstufenschülern besser verstanden werden, als Schwedisch.
Noch besser finde ich, dass Hans Rosling seine Präsentationen im Rahmen einer eigenen Stiftung öffentlich verfügbar macht. Auf der Website von gapminder.com sind eine Reihe weiterer Informationen verfügbar, die nicht nur für den Religionsunterricht der Oberstufe, sondern auch für Gemeinschaftskunde und Politik interessant sein dürften.
Dort lassen sich auch Videos und einzelne Grafiken herunterladen.