Kooperatives Lernen

20. Juli 2010

Während wir in Baden-Württemberg die letzten Schultage bald an einer Hand abzählen können, geht das in anderen Bundesländern mit den Ferientagen.

Um im kommenden Schuljahr noch besseren Unterricht machen zu können (das Gute ist der Feind des Besseren) lohnt sich ein Besuch der Seiten des Green-Instituts. Das Green-Institut hat sich die Förderung kooperativen Lernens zum Ziel gemacht.

Die Startseite bietet (heute) keinen sonderlich aktuellen Beitrag, aber das linke Seiten-Menü führt zu einer Reihe interessanter Artikel. Die meisten Sachen sind nicht super-neu, das müssen sie aber auch nicht sein. Ich muss nicht jeder pädagogischen Sau hinterher rennen, die durchs Dorf getrieben wird.

Interessant ist die Zusammenschau der einzelnen Elemente, so eine Art strukturierter Überblick, der den ein oder anderen Vorschlag enthält, bei dem ich denke: Ah, stimmt, könnte ich auch mal wieder machen. Im Alltag des Unterrichts greift wohl jeder häufig zu seinen ‘Standard-Methoden’ und andere Wege geraten leicht außer Sicht.

Die Seite mit ‘kooperativen Lernarrangements‘ ist so eine Aufstellung. Kurz, knapp, sortiert nach Lernsituationen (Beziehungen aufbauen, Einüben, Begriffsbildung, Problemlösen, Denken höherer Ordnung…).

Wer mit Begriffen wie Think-Pair-Share wenig anzufangen weiß, kann die Suche-Funktion nutzen und sein Wissen erweitern (Erklärung zu Think-Pair-Share).

Wer sich gründlicher mit dem Kooperativen Lernen beschäftigen möchte, findet eine Literaturliste und Rezensionen entsprechender Bücher. Die Seite ‘Individuelle Förderung‘ ist interessanterweise leer. Absicht (beim Thema kooperatives Lernen) oder noch zu füllende Lücke?

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Exit Option

13. Juli 2010

Steil den Berg hinauf. Oben links. Ein lehmiger Grabhügel. Ein vertrocknetes Herz aus Rosen. Zwei Steine in Herzform. Eine Schale von M., noch eine Pflanze. Ein Holzkreuz.

Heute morgen, vor dem Unterricht, war ich am Grab einer ehemaligen Schülerin. 25 Jahre Leben waren ihr genug. Sie hat sich aus dieser Welt ausgeklinkt. Endgültig. Unwiderruflich.

Platz 1 für die ‘geilste Lache’ und Platz 1 in der Kategorie ‘Individualist/in’ in der Abi-Zeitung.

Letztes Jahr traf sich ihr Abi-Jahrgang, um das Fünfjährige zu feiern. Da gehe ich eigentlich nie hin, dieser Jahrgang war eine Ausnahme, denn es gibt in ihm eine Reihe toller Menschen. Dort habe ich sie zum letzten Mal gesehen. Erfolgreich im Studium, immer noch sie selbst, aber reifer, erwachsener, größer.

Das sind die Momente im Lehrer-Dasein, die ich ungeheuer genieße. Wenn aus kleinen Fünfern große Abiturienten und dann schließlich ‘richtige’ Erwachsene werden, die ihr Leben gestalten, die ihre Fähigkeiten und Begabungen entfalten, die ihr eigenes Ding machen, auf eigenen Füßen durch ihr Leben gehen.

Der Tod ist das absolute Gegenteil. Er zerstört alle Zukunft, alle Hoffnung, alles Leben. Der freiwillig gewählte Tod ist für mich die unerträglichste Art. Die Über-Lebenden sind jeder Handlungsmöglichkeit beraubt.

Die Vergangenheit ist ein Prolog.

Für J.

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Willensfreiheit

13. Juli 2010

Das Thema Willensfreiheit kommt alle Jahre (Monate) wieder in den Medien hoch. Im Rahmen der Einheit ‘Mensch sein’ wird es im baden-württembergischen Bildungsplan in der Kursstufe behandelt.

Drei aktuelle Artikel dazu können für einen sehr guten Kurs (oder als Hintergrundinfo für den Lehrer) interessant sein.

1. Haltet den geborenen Dieb! Muss das Strafrecht geändert werden, weil Hirnforscher die Möglichkeit von Freiheit, Schuld und Verantwortlichkeit bestreiten? Ein Plädoyer für reife Rationalität. Von Winfried Hassemer (ehemaliger Vizepräsident des Bundesverfassungsgerichts). Erschienen in der FAZ vom 15. Juni 2010.

2. Haltet den Richter! Eine Replik auf den Hassemer-Artikel von Gerhard Roth und Grischa Merkel aus Sicht des Hirnforschers. Erschienen in der FR vom 26. Juni 2010.

3. Stillschweigende Hirngespinste. Eine Stellungnahme aus philosophischer Sicht von Peter Janich, emeritierter Professor für Philosophie der Uni Marburg, erschienen in der FR vom 12. Juli 2010.

Im Bildungsplan (Lehrplaneinheit ‘Mensch sein’) stehen bei mir ausdrücklich auch “Grundfragen der Anthropologie als Wissenschaft”. Dort kann dann auch neurologische Forschung thematisiert werden (im zweistündigen Kurs). Im vierstündigen Kurs sind dagegen Sartre, Skinner, Rousseau und Hobbes vorgeschrieben.

Aus Schülersicht kommt man wohl kaum um eine gewisse Denkanstrengung herum. Warum also nicht aktuelle Beiträge mit den ‘Klassikern’ konfrontieren?

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Ratestunde. Oder – Was lernen wir aus der Geschichte?

12. Juli 2010

Erste Frage: Wer sagte:

15. Es steht jedem Menschen frei, diejenige Religion anzunehmen und zu bekennnen, die man, vom Lichte der Vernunft geführt, für wahr erachtet.

42. In einem Gesetzeskonflikt beider Gewalten hat das bürgerliche Recht Vorrang.

Und? Nein, Kommentar zum Grundgesetz ist falsch.
Margot Käßmann? Nein, auch falsch.

Die richtige Antwort lautet Papst Pius IX. Das sind zwei von 80 Sätzen und Aussagen, die Pius IX. in einem Syllabus als falsch verurteilen ließ. Herausgegeben wurde diese Textsammlung am 8. Dezember 1864. (vgl. DH 2915 und 2942).

Zweite Frage: Wer sagte:

1. Wir werden uns bemühen, so zu leben wie die Menschen um uns her üblicherweise leben, im Hinblick auf Wohnung, Essen, Verkehrsmittel und allem, was sich daraus ergibt.

3. Wir werden weder Immobilien oder Mobiliar besitzen noch mit eigenem Namen über Bankkonten verfügen; und alles, was an Besitz notwendig sein sollte, auf den Namen der Diözese bzw. der sozialen oder caritativen Werke überschreiben.

5. Wir lehnen es ab, mündlich oder schriftlich mit Titeln oder Bezeichnungen angesprochen zu werden, in denen gesellschaftliche Bedeutung oder Macht zum Ausdruck gebracht werden. (Eminenz, Exzellenz, Monsignore…). Stattdessen wollen wir als “Padre” angesprochen werden, eine Bezeichnung, die dem Evangelium entspricht.

6. Wir werden in unserem Verhalten und unseren gesellschaftlichen Beziehungen jeden Eindruck vermeiden, der den Anschein erwecken könnte, wir würden Reiche und Mächtige privilegiert vorrangig oder bevorzugt behandeln (z. B. bei Gottesdiensten und bei gesellschaftlichen Zusammenkünften, als Gäste oder Gastgeber).

10. Wir werden alles dafür tun, dass die Verantwortlichen unserer Regierung und unserer öffentlichen Dienste solche Gesetze, Strukturen und gesellschaftlichen Institutionen schaffen und wirksam werden lassen, die für Gerechtigkeit, Gleichheit gesamtmenschliche harmonische Entwicklung jedes Menschen und aller Menschen notwendig sind. Dadurch soll eine neue Gesellschaftsordnung entstehen,die der Würdes der Menschen- und Gotteskinder entspricht.

Nein, keine weiteren von Pius IX. als Irrtümer verurteilten Aussagen.
Nein, Westerwelle ist auch falsch.

Das sind Zitate aus dem Katakombenpakt, einer Selbstverpflichtung katholischer Bischöfe – für eine dienende und arme Kirche.

Mehr als hundert Jahre Erkenntnisfortschritt liegen zwischen den Texten. Doch 1965 scheint irgendwie in der Zukunft zu liegen, so scheint es manchmal, wenn man einen kleinen kirchlichen Reality-Check macht.

Lange Vorrede, nun wird es ernst.

  • Wer noch nicht vergessen hat, dass es mal ein Vatikanum II. gegeben hat,
  • wer die Beschlüsse von damals immer noch für interessant hält,
  • wer der Überzeugung ist, dass Konzilsbeschlüsse nicht einfach selektiv anerkannt oder weggeklickt werden können,
  • wer also katholisch ist,

kann auf der Webseite konzilsvaeter.de interessante Infos zu einigen Bischöfen finden, die am Zweite Vatikanischen Konzil beteiligt waren.  Textbeiträge, Audios, Fotos  und einige Videos laden zum Rumstöbern ein. Vielleicht weniger direkt für den Unterricht verwertbar (evtl. in der Kursstufe bei der Kirchen-Einheit), aber auf jeden Fall für so eine Art theologisches Retro-Erlebnis der angenehmen Art Icon Wink in Ratestunde. Oder - Was lernen wir aus der Geschichte?

Manche Aussagen der vorgestellten Bischöfe scheinen unendlich weit von der aktuellen Stimmung in der Kirche entfernt zu sein.

Was lernen wir aus der Geschichte? Dass wir aus der Geschichte nichts lernen? Ja. Aber auch, dass es schon schlimmere Zeiten gegeben hat und Gott diese Kirche anscheinend trotzdem nicht aufgegeben hat. Katholisch sein heißt auch, über Langmut und Ausdauer zu verfügen Icon Smile in Ratestunde. Oder - Was lernen wir aus der Geschichte?

Lesetipp: 1 Thess 5,16-22.

Danke an Thomas Belke von der Mediathek Freiburg für den Hinweis auf die Konzilsväter-Seite.

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I Will Survive

11. Juli 2010

Despite the systematic brutality and cruelty endured, we have still survived.

On a recent trip to Europe, a family of three generations (a Holocaust survivor, his daughter and his grandchildren) dance to Gloria Gaynor’s pop song – ‘I Will Survive’ at concentration camps and memorials throughout Europe.
This clip was first edited with the help of my friend Pisithpong Siraphisit who runs Compeung Art Village, Chiang Mai, Thailand.
This dance is a tribute to the tenacity of the human spirit and a celebration of life.

Wie verarbeite ich Leid?

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Kultur – Kultur

11. Juli 2010

Ja, meine Damen und Herren daheim an den Bildschirmen (und iPhones), da mag es etwas warm sein, der Schweiß rinnt an uns herab, das hindert uns aber nicht daran, zur Erbauung und Erhebung der Seele am heiligen Sonntag einen kleinen kulturellen Beitrag zu veröffentlichen.

Herzlichen Dank an langweiledich.net.

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Bildungsstandards Baden-Württemberg

10. Juli 2010

Der baden-württembergische Landesbildungsserver stellt zwei Synopsen zu den Bildungsstandards für Katholische Religionslehre (Gymnasium) bereit:

  • Zum einen die Bildungsstandards nach den Standardzeiträumen 6 – 8 – 10 – Kursstufe.
  • Zum anderen die verbindlichen Themenfelder

Beide Synopsen gibt es hier zum Download.

Die Synopse der Themenfelder lässt deutlich erkennen, dass der Bildungsplan für die Kursstufe nicht wirklich an das Konzept der Bildungsstandards angeglichen wurde.

Und wenn ich mir die Formulierungen der Bildungsstandards so im Überblick durchlese, frage ich mich schon an der ein oder anderen Stelle: Was wären wohl geeignete Antworten, durch die die Schüler zeigen könnten, dass sie sich auf dem Niveau A, B oder C der entsprechenden Standards bewegen…

Beispiel?

Klasse 10: Die Schülerinnen und Schüler verstehen, dass menschliches Leben begrenzt ist, zum Beispiel durch Leid, Krankheit und Tod.

Das verstehen auch Erstklässler. Was könnte denn darüber hinaus gewünscht erwartet werden? Sollen die Schüler nun klassische Theodizee-Antworten vorstellen können? Kommt aber erst (oder wieder?) in der Kursstufe. Hmmm, was dann?

Wenn ich mir die Beispiele für Niveaukonkretisierungen (NiKos) anschaue, stelle ich fest, dass das Niveau der einzelnen NiKos ziemlich schwankt. Aber wie kann ich Unterricht planen, der ‘Outcome-Orientierung’ aufweist, ohne zu wissen, was der gewünschte ‘Outcome’ in klar messbaren oder überprüfbaren Worten ist?

Wenn ich in andere Fächer reinschaue (z.B. Englisch), scheint mir das Ganze klarer und handfester zu sein. So what?

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Megachurches

24. Juni 2010

Immer noch Abi-Zeit in Baden-Württemberg. Heute nachmittag lautet eines der Themen der Präsentationsprüfungen: Megachurches in den USA.

Im Rahmen der Vorbereitung (ja, auch Lehrer bereiten sich auf solche Prüfungen vor) bin ich auf einen sehr schönen Übersichtsartikel gestoßen, der auch weitere Lektürehinweise erhält: Big-box Christianity.

Und um fünf Ecken herum fand ich eine schöne Parodie zum Thema Megachurches. Wer schon ein paar Websites von Megachurches besucht, Predigten gehört oder Videos angeschaut hat, wird so manches Déjà-vu-Erlebnis haben Icon Wink in Megachurches

“Sunday’s Coming” Movie Trailer from North Point Media on Vimeo.

Ein kleiner Nachtrag: Die Seiten des Hartford Institute for Religion Research bieten ausgezeichnetes und detailliertes Material zum Thema.

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Gebote für Schulexkursionen

13. Juni 2010

Bei niemehrschule findet sich eine sehr lesenswerte Liste von Geboten für Schulexkursionen. Bei manchen Punkten hoffe ich, dass sie keinerlei Ähnlichkeit mit dem Verhalten lebender oder verstorbener Personen aufweisen. So zum Beispiel Nummer 18:

18. Du sollst dich nicht mit besoffenen Jugendlichen anlegen. Selbst wenn zwölf Freunde auf deiner Seite und bloß vier auf der gegenüberliegenden Front stehen. Moderne Kommunikationsmittel verändern solche Zahlenverhältnisse enorm schnell.

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Älter werden

12. Juni 2010

Sie sind der erste Mensch seit wer weiß wie langer Zeit, mit dem ich sprechen kann. Manchmal ertappe ich mich dabei, daß ich mit mir selbst rede und wenn mir das dann bewusst wird, erschrecke ich über den Klang meiner eigenen Stimme.

So beginnt ein lesenswerter Beitrag im Bestatterblog, der sich gut als Einstieg zum Themenbereich ‘Sinn des Lebens’, ‘Was ist der Mensch’ etc. eignet.

Wer den Bestatterblog noch nicht kennt: die Lektüre lohnt sich nicht nur für Religionslehrer. Da geht es auch nicht um irgendwelche morbiden oder nekrophilen Dinge, sondern um den Alltag des Sterbens.

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